Back on the map: Winterlaufserie 2018

Was für eine Aufregung! Da hatte ich ja geplant, dieses Jahr über Wettkämpfe in die notwendige Form für die Langdistanz in Roth zu kommen und einen Tag nach der Anmeldung für die Winterlaufserie in Duisburg und R2NS macht mein Meniskus schlapp. Und ehrlich gesagt, habe ich keinen Pfifferling mehr um die Saison gegeben.
Dass ich mit meiner Ernährungsumstellung auf veganen Schwerpunkt aber tatsächlich die Grundlage für eine gute Genesung schaffen würde, habe ich ein wenig heimlich gehofft, ernsthaft daran geglaubt habe ich allerdings nicht. Auch das unendlich langweilige Training auf dem Spinning-Rad bei FitX, immer mit Pulsuhr streng unter 130bpm und das stundenlang, hat wohl seinen Teil dazu beigetragen. Und so reifte langsam der Plan, dass ich 10 Tage vor der zweiten Runde vorsichtig ins Laufgeschäft einsteigen könnte.

Kollegen und mein Physiotherapeut erklärten mich für bescheuert, allerdings gaben mir sowohl der großartige Chirurg Dr. Hoeher und meine beiden Orthopäden die Maio / Swart Signale, dass das was werden könnte, wenn ich vorsichtig und beharrlich

dran arbeiten würde.

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Wunderheiler am Werk

So eine Operation lässt einen doch immer eine gewisse Nervösität verspüren. So ist die Nacht dann doch noch kürzer als angedacht: Wilde Träume von Aushilfschirurgen, die mir begegnen. Ich insistiere, dass ich auf jeden Fall beim Zauber-Chirurgen unters Messer will, weiß aber, die Logik des Traums ist unerbittlich.

Also lieber wachwerden. Um 7 muss ich in Köln Rodenkirchen sein. Steffi kann so früh noch nicht fahren, also muss ich noch mal ran. Meine Güte, sind die Autobahnen vor 6 Uhr morgens schon voll. Klappt aber alles perfekt. Auf in den dritten Stock. Daniel im Wartezimmer hat es schlimmer erwischt: Die Kreuzbänder dazu. Da hab’ ich ja mal wieder Glück gehabt. Superlustiger Narkosearzt: Überhaupt das ganz Personal erinnert an Monty Python. Jetzt geht es wohl los, sagt er. Ich so: Ob ich wohl noch bis 10 zählen kann. Er so: Versuchs mal. Ich setze an und…

… werde mit dickem Knie wach. Der Wunderschnippsler schaut kurz herein. Alles optimal verlaufen. Handy gecheckt: Steffi ist auch heil zu Hause angekommen, trotz dunkel, trotz nass und trotz Navi sprachlos.

Na dann! Dann kann Papa mich ja abholen kommen. Jetzt erst mal Krücken checken!

Meniskus kannte ich bisher nur dem Namen nach

Der Meniskus ist es! Genauer gesagt der innere von beiden. Das ist eine gute und schlechte Nachricht für mich zugleich:

Gut, weil es ja wirklich Leute gibt, die auf solchem Weg wirklich schlimme Diagnosen bekommen, wie Gelenkarthrose oder anders dauerhaft ramponierte Knochen. Bei mir ist es ein Riss. Herkunft muss noch geklärt werden. Schlecht ist es, weil ich in den nächsten Tagen operiert werden muss. Gut ist wieder, dass ich das Glück habe (oder es die himmelschreiende Ungerechtigkeit gibt, dass …), durch das Berufsbeamtentum privat versichert zu sein und so einen ziemlich guten Mann aus Köln dazu ins Vertrauen ziehen kann. Der beste Orthopäde der Welt raunte mir zu, dass der Mann nur Kniee macht und es vielleicht sogar hinkriegt, den Riss zu nähen, anstatt nur das Geschädigte zu entfernen … Also wenn es einer hinkriegt, dann dieser alte Studienfreund von der Focus-Bestenliste. Und da ich bereits mit einer kaputten Achilles-Sehne ähnlich gute Erfahrungen mit einem Wunderschnippsler aus Essen-Kettwig gemacht habe, der auch nur in Fersen schneidet, gehe ich optimistisch an die Sache.

Schlecht, weil ich wohl meine sportlichen Pläne für dieses Jahr vergessen kann, denn der Heilungsprozess dauert. Außerdem, und ich weiß, da lachen einige drüber, mir fehlt die Schule. Ich habe doch sonst gar nichts mehr, worüber ich mich aufregen könnte …

Ach ja, veganer Schwerpunkt ist immer noch: Nur einmal aus Versehen Schupfnudeln gegessen. Mittlerweile rückgängige Hautexzeme und vier Kilos ohne Hungern verloren. Ist schon ziemlich geiler Scheiß: so gesunde Ernährung und so.

Stunden der Wahrheit: Warten auf…

Ich hasse Arzttermine: Sie dauern unendlich lange und haben meist Folgebesuche zur Folge.

Darum habe ich ja noch eine Woche auf Wunderheilung gehofft und sogar versprochen, öffentlich nicht mehr Gott zu leugnen. Aber nun kulminiert das das Theodizee-Problem bei mir in der Frage, wie es einen Gott geben kann, angesichts meines schmerzenden Knies, obwohl ich sogar meine Ernährung auf den Prüfstand stelle fortan unfassbares Tierleid verhindere und so tue, also ob ich so eine Pampe wie auf dem Bild gerne esse. Das müsste doch selbst mit Yin und Yang zu Erfolgen führen.

So sitze ich im wohltemperierten Wartezimmer… und … warte!

Zu anderen Wartenden ist das Verhältnis ja immer angespannt: War die nicht später gekommen? Höre ich da nicht den leisen tuschelnden Ton der Arzthelferin, dass man jemanden noch dazwischen schieben könne? Ja, haben die denn alle einen Termin hier? Oder müssen die wirklich hier sitzen?

Aber glücklicherweise habe ich Zepp Oberpichlers neuen Schmöker ‚Chuck Berry over Bissingheim‘ dabei, der sich locker in einem Stündchen Wartezeit weglesen lässt. Zepp ist ein wahrer Meister des Fabulierens! Ist echt ein Genuss und lässt den Argwohn schmelzen, denn die Zeit war nicht verschwendet. (Review folgt demnächst im Plastic Bomb)

Das Ergebnis ist ernüchternd. Meniskus wird vom Entzündungswasser erdrückt. Der kompetenteste Mediziner der Welt muss aber klären, was hier zuerst Henne und Ei ist: Drückt eine Entzündung, verursacht von einer muskulären Dauerbaustelle auf den Meniskus oder ist der Meniskus die Ursache des heißen Knies. Letzteres wäre besser, da hätte ich wohl die richtigen Maßnahmen eingeleitet und könnte alles wegspritzen oder, wie mir Daniela riet (die damit zur härtesten Triathletin der mir bekannten Welt avanciert), es mit Blutegeln zu therapieren. Sollte ich es vielleicht doch noch mit Beten versuchen?

Wenigstens bekomme ich bis zum MRT grünes Licht, tretende Fahrradbewegungen, Aquajogging und Kraulschwimmen machen zu können. Nur Treppen und Fußwege darf ich meiden: Autsch! Meine erste A.U. seitdem ich nach einer Tour mit Terrorgruppe indisponiert war. Da arbeitete ich noch bei der Sparkasse.

Tag 3: Vegane Pampe und Muckibude

Am dritten Tag der Ernährungsumstellung widmete ich mich ausgiebig der Essensvorbereitung. Das scheint eine der künftigen rituellen Handlungen meiner neuen Ersatzreligion zu sein. Also erst einmal mit den Übungen gestartet, die locker von der Hand gehen. Die Mehlschwitze vom Rosenkohl lässt sich ja ziemlich easy anstatt mit Butter mit Pflanzenmargarine zubereiten. Kartoffeln mit Wasser stehen von jeher nicht unter üblem Verdacht. Und die veganen Tofubällchen von Norma sind eh ganz großes Kino. Wie es mit den Bratlingen aus dem Aldi-Sortiment aussieht, weiß ich nicht so recht. Die lagen noch im Kühlschrank rum. Die Zutatenliste offenbart erst mal auch nichts Verwerfliches: Vermutlich übersehe ich aber irgendeinen Ei- oder Milchprodukthinweis. Aber ich habe ja auch einen veganen Schwerpunkt gewählt, wohlweißlich der Tatsache bewusst, dass ich keine Lust verspüre in meinem Alltag jedes Gericht zu hinterfragen. Sonst kann ich ja nirgends mehr hingehen, außer auf AZ-Partys: Und danach steht mir (noch) nicht der Sinn. Der Kartoffel-Gemüse-Eintopf für den nächsten Tag läuft auch nach Schema F. Einfach alles rein in den Topf, Kochen und am nächsten Tag abschmecken. Da macht man mit Lauch, Karotten und Böhnchen nix verkehrt. Schnell gehen ist auch ein Qualitätsmerkmal. Schließlich dient die Nahrungsaufnahme in erster Linie dem Sattwerden, wie der große Philosoph Heinz Strunk einst postulierte.

In der Muckibude bleibt mir einzig der Fahrrad-Ersatz, der während des ungemütlichen Winds erträglich ist. Außerdem ist das die einzige Beinbewegung, die schmerzfrei läuft. Dazu schön Svealena Kutschkes ‚Stadt aus Rauch‘ angemacht und man vergisst glatt, dass man völlig sinnfrei bei FITX den Hamster macht. Aber Bewegung muss sein und da ist es gut, wenn man der Hörkanal so belegt ist, dass die restlichen Sinne vernachlässigt werden können. Wirklich ein tolles Buch: Wer Familiengeschichten mag, der kann eigentlich nicht vorbeigehen. Hat einen ähnlichen Charme wie T.C. Boyles ‚World’s end‘ und das Zeug zum Klassiker.

Ansonsten wollte ich mit dem Gang in die Muckibude ja gerade Verletzungen wie die aktuelle vermeiden, indem ich einfach mal vernachlässigte Muskelgruppen nachbearbeite und etwas mehr Körpergefühl bekomme. Da ist das Rudelschwitzangebot bei FITX tatsächlich eine feine Sache (gewesen)… allerdings kann ich mir auch gut vorstellen, dass der Hallenboden durchaus in Zusammenarbeit mit den Übungen (viele Kniebeugen und Ausfallschritte) etwas mit meinem lädierten Knie zu tun hat. Ich mag da gar nicht drüber nachdenken…

Tag 2: Nüsse, Hülsenfrüchte, Gemüse und Aquajogging

Tag 2 meiner indirekten Challenge-Vorbereitung verlief im Sinne der der Informationssammlung. Wenn Lehrer nun mal Zeit hat, beschäftigt er sich auch gerne mit den Dingen. Das lenkt die Gedanken ja auch auf Künftiges anstatt dem Vergangenem hinterher zu trauern.

Bin nun optimal aufgestellt, wenn es um Iseleucin, Valin, Methionin, Leuthin, Tryptophan, Lysin, Phenylalin, Theonien und den anderen Kollegen geht, die für Eiweiß, Blutkörperchenbildung, Blutzucker, Knochenaufbau etc. zuständig sind. Damit sollte dem gezielten Muskelaufbau, der zügigen Regeneration und der Immunabwehr neue Kraft gegeben werden. Das Frühstück steht auf jeden Fall. Ein Wunder, dass ich in meinem Sportlerdasein so weit gekommen bin, ohne diese gezielten Ernährungsimpulse.
Für Ideen auf dem Tisch ist also gesorgt, alles was bisher unter Alibi lief, wird Standard und die Waage lässt die Belohnungssysteme im Gehirn klingeln.

Allerdings tut sich noch nichts in punkto Wunderheilung des Knies: Sieht wohl aus, als müsste da der Wunderorthopäde meines Vertrauens wieder ran: Also geschwind einen Temin in Rheinberg gemacht und Bewegungstherapie gemacht: Aquajogging und gleich Radtraining in meiner Lieblingsmuckibude.
Aquajogging lädt ja direkt zum Entschuldigen ein. Es steht entweder für alt und/oder Hausfrau sein oder für irgendwie merkwürdig veranlagt (letzteres sagt man ja auch Veganern nach). Mit Ring um die Wampe sehe ich auf jeden Fall so alt aus wie ich es bin. Gleich fühle ich mich genötigt zu erklären, dass ich verletzt bin. Die Wasserballmami, die auf der Bahn neben mir immer ihre Bahnen zieht, beruhigt mich aber: Sie wisse ja, dass ich echten Sport mache… und natürlich, dass ich schon so alt sei, wie ich aussehe.
Während ich da hin und her schleiche, male ich mir aus, wie ich mich genau an diesen erniedrigenden Moment erinnern werde, wenn ich ab Kilometer 30 auf der Laufstrecke in den Überholmodus kommen werde. Anders geht es nicht.
Und nun ab auf’s Rad. Wie gut, dass es Hörbücher gibt.

Gute Vorsätze zum ungewöhnlichen Zeitpunkt

Es mag albern sein, den Jahreswechsel dazu zu nutzen, Dinge am Leben zu ändern,  aber bisher habe ich damit ganz gute Erfahrungen. Nicht, dass das alles auch immer so hundertprozentig geklappt hat: Immerhin waren geschätzte 80% auch Rohrkrepierer.

Nun ist wieder Zeit für Vorsätze und Veränderungen, verbunden mit der Hoffnung, dass sie zu den 20% gehören, von denen ich langfristig zehren kann.

Angemeldet hatte ich mich schon lange für den diesjährigen Challenge in Roth, wollte es auch etwas systematischer als bei meinem Premierenstart 2016 angehen: also mit vielen kleinen Wettbewerben (Winterlaufserie und R2NSC) um mir etwas mehr Zwischen-Motivation zu verschaffen. Dazu das Training etwas durchdachter angehen: Im Winter durchaus mal Yoga und Rudelschwitzkurse in der Muckibude, um mehr Stabilität in den alten Körper zu bekommen. Außerdem wollte ich wegen Achillesproblemen allzu einseitiges Training vermeiden. Das lief alles schon im Vorfeld, ohne dass ich mir viele Gedanken um den Jahreswechsel gemacht hätte.

Und am zweiten Weihnachtstag kam der Bang dazu, der mich jetzt zu einer grundlegenden Änderung veranlasste: Am Ende einer wirklich schönen Grundlageneinheit Laufen spürte ich auf einmal eine Blockade in der linken Kniekehle: Kilometer 21 bei lockerem Schnitt deutlich über 5 Minuten und entspanntem Puls. Eigentlich kann bei sowas überhaupt nix passieren: Den Tag vorher völlernder Weise regeneriert und keinerlei schmerzende Vorwarnungen in den Hinterkopf verbannt. Also das Tempo ganz rausgenommen und ziemlich unrund zu Hause angekommen.

 

Und seitdem ist nix mehr mit Laufen: Zwei Tage schmerzende Komplettpause und dann wenigstens mit lockerem Schwimmtraining und Radfahren im Studio etwas gegen depressive Schübe getan. Das geht auch alles ganz gut, aber Laufen (in diesem Fall noch nicht einmal Spazieren oder Treppensteigen) geht gar nicht.

Und in diesen Tagen stieg mein Gewicht von viel zu hoch in den Bereich, der für gewöhnlich in der Kommandobrücke mit rotem Blinklicht und Sirenenton begleitet wird, wenn die Schilde ausgefallen sind und der Warp-Kern bricht.

Jetzt gehöre ich seit je her zu den Triathleten mit kräftigen Knochenbau. Das heißt, ich habe einen ordentlichen Rettungsring, der meine Lage im Wasser stabilisiert. Ich esse und trinke nämlich gerne und viel. Und ich halte mich nicht an die Ernährungspyramide. Mit den 10.000 bis 14.000 Kcal-Verbrauch, die das Triathlon-Training in der Woche mit sich bringt, schaffte ich es geradewegs alles einigermaßen im Rahmen zu halten, wobei ich schleichend eine immer höhere Grenze akzeptierte: Die hatte sich auch ohne Weihnachten und Trainingspause schon auf stattliche 85 kg eingependelt. Der Mensch ist halt ein Gewohnheitstier.

Nun gehört es zu den lange verdrängten Tatsachen, dass die Belastung mit steigendem Körpergewicht dem Körper mehr Leistung abverlangt. Und kann er diese Leistung nicht bringen, reagiert er mit Verletzung: In meinem Fall war es bisher die Achillesverse; nun kommt das Knie – und ich hoffe, dass es noch konservativ regeneriert – hinzu.

Und zu diesen Binsenweisheiten zählt es, dass eine gesündere Ernährung zu einem gesunderem Körper führt, der vielleicht auch nicht ständig mit Erkältungen und Infektionen auf Belastungen reagiert. Bisher hatte ich eine überwiegend vegetarische Ernährung mit ordentlich tierischen Fetten und Eiweißen und jeder Menge Süßigkeiten. Letztere sind wohl mein härtester Schwachpunkt: Ich kann nicht daran vorbeigehen, ohne mich vollzustopfen.

Da muss ich also ran: abnehmen und gesund ernähren. Normale Menschen lassen einfach den Süßkram weg oder machen so tolle Regelungen wie einmal in der Woche ist es okay. Geht alles nicht bei mir. Ich bin der klassische Ganz-oder-gar nicht-Typ. Außerdem brauche ich einen Puffer: Also ist mein guter Vorsatz, meinen Ernährungsschwerpunkt auf vegane Ernährung umzustellen. Die meisten Süßigkeiten und ungesunden leckeren Sachen sind halt aus tierischen Produkten. Die freudlose aber gesunde vegane Küche wird mir dazu verhelfen. Glücklicherweise habe ich ja auch noch einen kleinen Zeh in der ideologisch überfrachteten Punk- und Hardcoreszene, sodass ich mir Rückenwind und charakterliche Festigkeit von dort borge. Und dass das sportlich geht, hat Patrick Lange ja auf Hawaii in 2017 gezeigt.