Das Horstbuch und du

Nun sind endlich alle Teile des Horstbuches für das Thema Wahrhaftigkeit und Lüge (Fragenkreis 3) veröffentlicht. Von fertig möchte ich nicht sprechen, denn es handelt sich um Entwürfe, die zwar praxiserprobt und von den Schülern sehr positiv angenommen wurden, aber sicher nicht fehlerfrei oder optimierungsbedürftig sind. Gerne mag sich der geneigte Leser / Lehrer daran bedienen, um die Vorabeiten für die 5. Klasse zu nutzen oder sie für andere Zwecke auseinanderzunehmen.

Ich würde mich aber freuen, wenn ich etwas Feedback bekommen würde. Wenn ihr die Materialien im Unterricht einsetzt, möchte ich natürlich wissen, wie eure Schüler damit klar kommen. Vielleicht gibt es auch konkrete Verbesserungsvorschläge oder Ideen für andere Umsetzungen im Unterricht. Ich bin neugierig auf alles. Auch wenn die Resonanz nur in derartiger Form ist, dass ich die sicher vorhandenen Tippfehler benannt bekomme, damit ich diese für künftige Einsätze ausbügele.

Die komplette Übersicht:

Teil 1: Mimikry und Mimese

Teil 2:Der Verdacht: Wer war der Täter?

Teil 3: Das Horst-Dilemma

Teil 4: Nico, Horst und die Fee (Text:PinNico, MP3: Nico, Pinocchio und die Fee)

Der Blog-Eintrag und der dazugehörige UPP-Entwurf inklusive der langfristigen Reihenplanung finden sich hier.

Teil 5: Das Horstfinale

 

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Das Horst – Finale

Alles braucht ein Ende. Und dieses Finale gehört Horst, der den Handlungsbogen rundet und gleichzeitig viele Deutungsmöglichkeiten für moralische Wertungen lässt.

Ich selbst habe das Finale als Anlass genommen, die Themenreihe noch einmal zu reflektieren, die Themen ‚Lügenverbot‘, ‚Notlüge‘ und ‚Handlungsfolgen‘ noch mal anhand des Plots nachzuzeichnen, um eventuelle Handlungsalternativen für die Beteiligten zu eruieren.

Hier ist die Text – Version als PDF: Horst – Das Finale

Und hier die Audiodatei: Horst – Das Finale

Viel Spaß damit.

 

 

 

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Nico, Pinocchio und die Fee

Eine kurze Zusammenfassung vereinfacht mittlerweile den Zugang zum Geschehen:

Alle Beteiligten gehen in eine 5. Klasse einer weiterführenden Schule. Vor der Klasse kam es zu folgendem Vorfall: Horst schmiert seiner Schulkameradin Amba ein Kaugummi in die Haare, weil sie seine Zuneigung nicht teilt. Sie merkt dies erst später, sodass es nicht gelingt, das Kaugummi sauber aus ihren Haaren zu entfernen.

Die Klassenlehrerin Frau Hochgeschurz verdächtigt zwei Mitschüler, die am Tisch mit Amba und Horst sitzen. Horst gerät nicht in Verdacht, weil er ein nur positiv auffälliger Schüler mit überragenden Noten ist.

Nico ist einer der Verdächtigen und gilt als Klassenrüpel, dem man alles zutraut. Der andere Verdächtige ist Jannis, der gerne zu den „bösen Jungs“ gehören würde, aber von denen nicht akzeptiert wird, weil er als Klatschmaul gilt.

Beide Schüler verhalten sich im Gespräch mit Frau Hochgeschurz durchaus verdächtig und zeigen dies in beobachtbaren Reaktionen wie Vermeidung des Blickkontakts und Unsicherheit. Nico erscheint aber als wahrscheinlichster Tatverdächtiger und Lügner.

Für die Leser stellt sich heraus, dass Nico zwar lügt, aber nicht der Täter war. Er kennt den Täter Horst, ist aber von diesem bedroht worden, ihn nicht zu verraten. Da es Horst kurz zuvor gelungen ist, den anderen Klassenschreck mit dubiosen Methoden so zu verängstigen, dass dieser vor Angst der Schule fern bleibt, nimmt Nico diese Drohung ernst.

Nico möchte trotzdem nicht als Feigling und Petze gelten und verrennt sich in ein Lügengewirr, indem er einen noch völlig unbeteiligten Schüler aus der Nachbarklasse mit hinein zieht.

Zu Beginn des Kapitels zeigt sich Nico mitgenommen von dem Dilemma, dass er, wenn er nicht die Wahrheit sagt, wohl weiter Hauptverdächtiger bleibt. Im Fall der Wahrheit verliert er seinen „guten“ Ruf in der Klasse und möglicherweise glaubt ihm auch niemand, dass man Horst keine bösen Taten zutraut.

Teil 1: Mimikry und Mimese

Teil 2:Der Verdacht: Wer war der Täter?

Teil 3: Das Horst-Dilemma

Teil 4: Nico, Horst und die Fee (Text:PinNico, MP3: Nico, Pinocchio und die Fee)

Didaktisches auf der nächsten Seite.

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Das Horst Dilemma

Und die Abenteuer aus unserer Klassen gehen weiter. Nachdem wir darüber spekuliert haben, wie ob jetzt nun Jannis oder Nico, oder keiner von beiden, der armen Amba Kaugummi in die Haare schmierten, gibt es nun die Auflösung des Rätsels.

Allerdings verbunden mit einem weiteren Dilemma. In dem findet sich nun Nico wieder.

Für die SuS geht es darum, nachzuvollziehen, woraus Nicos Dilemma besteht und mögliche Handlungsoptionen für ihn durchzuspielen. Wichtig ist es natürlich auch, noch einmal zu klären, dass man unmöglich körperliche Veränderungen von einem Menschen eindeutig mit Lügen in Verbindung bringen kann. Sie sind einzig und alleine ein Symptom für Nervösität.

Teil 1: Mimikry und Mimese

Teil 2:Der Verdacht: Wer war der Täter?

Teil 3: Das Horst-Dilemma als pdf: dasHorstdilemma

Das Horst – Dilemma

Weder Nico noch Jannis melden sich am Lehrerzimmer. Beide stehen an der Bushaltestelle und sind noch etwas aufgeregt.

„Blöde Kuh!“, sagt Jannis so kraftvoll, wie es ihm möglich ist.

„Stimmt“, meint Nico. „Die hat mich immer auf dem Kieker. Als ob ich der ollen Heulsuse so einen blöden Kaugummi in ihre Haare geschmiert hätte. Die ist mir so was von egal.“

„Und wie das Hochgeschwür ausgerechnet auf mich kommt? Normalerweise kriegen ja nur Yusuf und du Ärger. Wenn die dich und mich im Verdacht hat, hätte sie doch auch Horst ansprechen müssen.“

Nico sagt nichts. Darum fährt Jannis fort: „Der kriegt doch nie Ärger. Der kann machen, was er will. Nur weil er ein doofer Streber ist, kann der sich alles erlauben. Nie würde die Hochgeschwürbel den verdächtigen.“

Nico schweigt weiter, während Jannis ihn erwartungsfroh anschaut.

„Irgendwie passt mir das nicht“, denkt Nico, „keiner traut sich die Wahrheit zu sagen.“

Jannis mustert Nico von der Seite. Und als ob er dessen Gedanken lesen könnte, sagt er: „Ist ja auch klar! Horst kann lügen wie gedruckt. Außerdem hat der immer gute Noten. Der macht mir Angst.“

Nico schweigt weiter. In ihm wühlt es allerdings. Klar, nicht nur Jannis hat Schiss vor Horst. Selbst er hatte die Hosen voll. Aber wer wollte das schon zugeben. Yusuf und er hatten einen Ruf zu verteidigen. Am liebsten hätte er mit der Wahrheit rausgerückt. Aber ausgerechnet Jannis. Die alte Petze konnte eh nichts für sich behalten. Der würde es glatt in die Klassengruppe schreiben. Und dann konnte er einpacken. Er hatte sowieso schon Probleme genug. Die Dinge liefen aus dem Ruder. Hätte er das mit der D mal nicht gesagt, denn dann wäre Jannis nicht auf Batu gekommen. Und wie blöd konnte er sein, da nicht wenigstens zu widersprechen. Ausgerechnet Batu! Der war es ja auch immer. Genauso wie er selbst geriet Batu immer in Verdacht. Einmal zu oft gelogen und der Ruf war, ist und bleibt ruiniert. Wie locker, ihm die Lügen mittlerweile über die Lippen gingen. Aber was hätte er sonst tun können. Einfach sagen, dass er es war?

Das wäre ja auch gelogen gewesen. Aber immerhin hätte es dann ihn als Feigling getroffen. Nur er wäre bestraft worden. Und die Wahrheit? Hätte er die Wahrheit gesagt, dass es Horst war, hätte ihm das jemand geglaubt? Und selbst wenn, dass hätte ihm Horst schon heim gezahlt. Dann würde er sich, genau wie Yusuf, nicht mehr in die Schule trauen. Er hatte keine Ahnung, was mit dem passiert war, aber der hatte ihn nur gewarnt, sich bloß nicht mit dem Psycho anzulegen. Und als ihm heute vor der Lernzeit Horst zugezischt hatte, er solle ja den Mund halten, denn er wisse ja, wie es Yusuf so gehe, da hatte er echte Angst verspürt. Er wollte gar nicht wissen, was Horst mit Yusuf angestellt hatte. Mann, was hatte der Typ für einen Blick. Und der Trottel Jannis musste sich noch einmischen. Dabei hatte der doch gar nichts mitgekriegt.

„Ach, quatsch! Selbst das Hochgeschwür sagt, dass das ein Vollhorst ist. Vor dem brauchst du keinen Schiss haben“, sagt Nico dann plötzlich doch.

Jannis wirkt etwas überrascht, erleichtert und enttäuscht zugleich. „Puh! Gut, dass du das sagst. Ich meine, vorhin dachte ich für einen Moment, wie geil das doch gewesen wäre, wenn Horst seiner Amba das Kaugummi in die Haare geschmiert hätte.“

„Ja, und wenn ich deinen blöde Laberei nicht den ganzen Tag ertragen müsste, wäre das auch so was von geil“, patzt Nico plötzlich und verhindert gerade noch, dass Jannis denken könnte, er hätte jetzt einen neuen Freund in der Klasse.

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Pinocchios Abenteuer (Hördatei)

Es gibt Geschichten, die kann man auch wenn sie von 1883 sind, problemlos im PP-Unterricht der 5. Klasse einsetzen: Pinocchios Abenteuer von Carlo Collodoli ist so eine idealtypische Besetzung für den Fragenkreis 3 und den Themenbereich Wahrhaftigkeit und Lüge: Pinocchio lügt zunächst aus der Not heraus und verstrickt sich dann in ein Lügengestrick. Kant hätte seine Freude daran gehabt, denn die Geschichte liefert auch denen eine Begründung, denen die Selbstverpflichtung des Menschen zur Wahrheit etwas suspekt erscheint.

Im Unterricht werden die Schüler das vermutlich aber differenzierter sehen. Ich selbst, setze es ein, um von äußerlich sichtbaren Merkmalen des Lügens (Siehe Horstbuch) die Brücke zur langen Nase von Pinnochio zu bauen und erstmals in die ethisch moralische Bewertung von Lügen einzutauchen.

Die Fee ist da sehr klar, denn sie hält das Lügen für die hässlichste Angewohnheit, die ein Kind haben kann. Damit ist sie klar bei Kant, der das Lügen für einen unvernünftigen menschlichen Makel hält. Am Beispiel von Pinocchio lässt sich diese ‚Unvernunft‘ für Kinder nachvollziehen.

Ich selber halt aber eine erste Wertung von Pinocchios Lügen für ebenso wichtig, die die Schüler hier vornehmen sollten.

Die Hördatei ist hier zum Download: Pinocchios Abenteuer

Und ich nutze den Text (Seite 62 – 63) aus Philopraktisch 1.

 

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Der Verdacht: Wer war der Täter?

Es geht weiter mit dem Thema “Wahrhaftigkeit und Lüge” (Fragenkreis 3). Nachdem die Schüler mit Amba mitgelitten haben und auch nach der Lektüre die Begriffe Mimese und Mimikry durchaus auch auf ihr eigenes Leben anwenden konnten, geht es jetzt direkt mit der armen Amba weiter. Diesmal wird ihr ein übler Streich gespielt und ihre Tischnachbarn Nico und Jannis geraten in Verdacht, Täter gewesen zu sein.

Für die Schüler heißt es nun, Detektiv zu spielen und das Verhör der Klassenlehrerin mitzulesen, um danach das Verhalten der beiden Schüler zu Vergleichen. Kann man also den Lügner an seinem Verhalten erkennen?

 

Dazu gibt es hier die Tondatei:

 

Und hier ein pdf mit Arbeitsauftrag: Der Verdacht- Sichtbares Luegen

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Mimese und Mimikry – Von Unsichtbaren und Sichtbaren

Im Buch muss ich jetzt notgedrungen schon mal einen Sprung machen, da ich den Fragenkreis 3 berühre und die Wirksamkeit im Unterricht testen möchte. Horst hat sich schwer verliebt und versucht Amba zu beeindrucken. Die ist das in gewisser Form auch …

Thematisch geht es um die Frage nach dem guten Handeln und inhaltlich um „Wahrhaftigkeit und Lüge“. Orientiert habe ich mich am Praktische Philosophie Buch 1 aus dem Cornelsen Verlag. Dies kann auch gerne mit seinem Bildmaterial zu Mimese und Mimikry (s.68) und zur Differenzierung für stärkere SchülerInnen herangezogen werden (S. 69).

Für ein begleitendes Lesen nach dem Lüneburger Modell zur Leseförderung von Steffen Gailberger, habe ich hier den Text eingesprochen.

Für den Unterricht ist es zunächst interessant, ob die zunächst genannten Beispiele aus Horsts Klasse geeignet sind, um von Lüge zu sprechen. Eine Abgrenzung zwischen den Beispielen aus Horsts Klasse, die in gewissen Varianten immer etwas mit Anthromorphismus zu tun haben, wäre eine differenzierende Frage.

Die Beispiele Mimese und Mimikry lassen sich mit schönem Bildmaterial (davon ist das Netz voll) dazu einsetzen, mit eigenen Worten zu beschreiben, wie verschiedene Tiere sie anwenden. Das wäre eine Erweiterung der Methoden- und Sachkompetenz.

Der Bezug und die Anwendung der Begriffe Mimese und Mimikry auf den Menschen ist in der Geschichte angedeutet. Hier lassen sich Gründe finden, warum Amba ihre Umwelt auch gerne täuschen will. Selbstverständlich haben die Schüler auch eigene Situationen, in denen sie sehr gerne unsichtbar wären. Und viele Jungs wünschten sich sicher auch manchmal die Fähigkeit der Mimikry. Entsprechende Täuschungen lassen sich hervorragend beschreiben und natürlich auch im Unterricht diskutieren. Wichtig wäre hier der Unterschied zwischen Mensch und Tier.

Und jetzt genug des Didaktisierens. Den Download gibt es hier:

Mimese und Mimikry – Von Unsichtbaren und Sichtbaren

und los geht’s:

Können Tiere Lügen?“, fragt Herr Schreiber.

Zögerlich gehen ein paar Finger hoch.

Janine schnippt mit den Fingern und kommt prompt dran.

Also meine Oma, die kennt jemanden, der einen Papagei hat. Das ist in Oldenburg. Da war ich auch schon mal. Das ist ganz im Norden von Deutschland. Also da bin ich in den Ferien ganz alleine mit dem …“

Janine, komm zum Punkt!“, unterbricht Herr Schreiber.

Äh! Was meinen sie mit zum Punkt kommen?“

Janine ist nun verwirrt und die Klasse stöhnt genervt auf.

Ach ja, also, die hat einen Papagei und …“

Wer denn jetzt? Wer hat einen Papagei? Deine Oma oder …“, ruft Horst dazwischen und bekommt prompt eine gelbe Karte von Herrn Schreiber für die Störung.

Also, wer jetzt?“, fragt Herr Schreiber.

Der Bekannte meiner Oma! Also der Papagei redet immer so Sachen. Der sagt, dass er meine Oma lieb habe. Und dann beißt er ihr in den Finger. Das kann also gar nicht stimmen.“, setzt Janine stolz ihr Beispiel fort.

Autsch! Gutes Beispiel Der nächste.“

Nico kommt jetzt dran und sagt: „Wir haben eine Katze. Die heißt Inge. Jeden Morgen kommt die und will schmusen. Das heißt, eigentlich will die gar nicht gestreichelt werden. Die will nur Futter. Das ist ja auch nicht ganz die Wahrheit. Die lügt also auch.“

So langsam kommt der Unterricht in Fahrt und nacheinander erzählen Betül, Sila, Deniz und Jannis von Hunden, Wellensittichen und Katzen.

So ganz zufrieden wirkt Herr Schreiber aber nicht. Er fragt, ob denn jemand in der Klasse schon mal von Mimese und Mimikry gehört habe.

Damit löst er ziemlich betretenes Schweigen in der Klasse aus. Nur Horst meldet sich.

Okay, Horst! Dann erzähl mal!“

Horst drückt den Rücken durch und die Brust heraus und schaut siegesgewiss umher. Allerdings guckt ihn niemand außer Herr Schreiber an.

Ich habe das bei Wikipedia gelesen. Es gibt auch so Fliegen, die aussehen wie Wespen, aber keine sind. Die machen das, damit die Leute Angst vor ihr haben, weil die ja dann denken, weil die so aussieht, sticht die auch. Aber ich weiß jetzt nicht mehr, was das von beiden Wörtern war. Die hören sich so ähnlich an.“

Sehr gut, Horst. Wie immer sehr gut!“, lobt Herr Schreiber.

Stolz blickt Horst sich um und blickt lange in Richtung Amba. Die reagiert aber nicht darauf. Seitdem Horst ihr auf dem Schulhof seine Liebe vor allen Mitschülern gestand, wäre sie am liebsten dauerhaft unsichtbar.

Herr Schreiber lenkt die Aufmerksamkeit glücklicherweise von dem freudestrahlenden Horst und seiner verlegenen Sitznachbarin Amba.

Mimikry heißt das. Die Fliege sieht aus wie eine gefährliche Wespe und schlägt so ihre gefährlichen Feinde in die Flucht.“, erklärt er und beginnt eine Definition an die Tafel zu schreiben.

Im Schulbuch sehen sie dann Bilder von einem Schmetterling, der auch Mimikry anwendet und mit einem großen Auge auf den Flügeln verhindert, dass Tiere sie essen. Ambas Aufmerksamkeit wendet sich aber dem Foto von einer Stabheuschrecke zu. Die sieht aus wie der Ast, auf dem sie sitzt. Mimese heißt das. Tiere passen sich so der Umwelt an, dass sie nicht gesehen werden.

Mimese ist auch das, was sich Amba am liebsten wünschen würde. Sie müsste sich nur so der Klasse anpassen, dass Horst sie nicht mehr sehen könnte. Horst ließ ja keine Gelegenheit mehr aus, sie anzuglotzen und anzusprechen. Ständig wollte er etwas von ihr. Das war ihr so unangenehm. Vor allem, dass es jeder mitbekam. Dabei war sie ja fast unsichtbar. Nur einmal hatte sie mit Horst gesprochen. Nur ein einziges Mal hatte sie die Mimese nicht richtig angewandt. So gleiten ihre Gedanken auf einer Welle von Selbstmitleid getragen, bis der Gong sie erlöst und sie in die Freiheit entflieht.

Während Horst ihr verträumt hinterher schaut, macht Yusuf einen Kussmund in Richtung Horst und säuselt: „Oh, mein Horstie, ich liebe dich so sehr!“

So sehr liebt dich deine Amba, dass sie vor dir weg läuft.“, sagt Yusuf hinterher und prustet vor Lachen laut los.

Das merkt auch Horst, dessen Blick schnell wieder klar wird.

Er packt seine Sachen und denkt: “Wenn ich nur Mimikry könnte, würde euch jetzt das Lachen vergehen.“

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