Das Horst-Buch – Die ersten Kapitel (zum Fragenkreis 1-komplett)

Alle Text- und Mediendateien zum ersten Kapitel finden sich am Ende des Textes.

 

Gerade frisch im Unterricht erprobt, habe ich nun den Einstieg in die Horst-Geschichten fertig geschrieben. Im Gegensatz zu den ersten Geschichten von Horst, die im Zuge meiner Vorbereitung des Unterrichts im Referendariat geschrieben wurden und dadurch im Einsatz streng an die Vorgaben der Ausbildung im Studienseminar gekoppelt waren, also mehr praktisch als Philosophie, habe ich dieses Mal mehr Augenmerk auf den tatsächlichen Einsatz in den Jahrgangsstufen 5 und 6 gelegt und entsprechende Arbeitsvorschläge für den Unterricht  in Form von Arbeitsblättern erstellt, die zum differenzierten Einsatz im Unterricht anregen sollen.

Wichtig waren mir hier Anregungen aus dem Doktorandenkolloquium Philosophie unter Federführung von Dr. Vanessa Albus an der Uni Duisburg Essen. Im Gegensatz zu meiner schulpraktischen Ausbildung wurde hier festgestellt, dass meine bisherige Arbeit etwas schwammig in Bezug auf die philosophische Erdung sei.

So habe ich in den Arbeitsvorschlägen zunächst immer sehr praktische Bezüge zum Text und zur Lebenswelt hergestellt, um dann einen Bezug zur Philosophie herzustellen. Es sei erwähnt, dass man das Arbeitsmaterial bitte nicht derart verstehen sollte, dass es streng chronologisch eingesetzt werden sollte. Ich habe es im Unterricht in verschiedenen Lerngruppen völlig unterschiedlich strukturiert. Auch ist die Geschichte nicht immer als Einstieg gewählt worden, um hier einer Monotonie Vorschub zu leisten. Oft ist es darüber hinaus einfach sinnvoller, zunächst Vorerfahrungen der Schüler aufzunehmen. Immer habe ich allerdings die Geschichten nach dem Lüneburger Lautleseverfahren mit MP3 und Text gelesen, um hier einen Beitrag zur Leseförderung zu leisten.

Das Material kann gerne frei genutzt werden und für unterrichtliche Zwecke angewandt werden. Da die Texte aber nicht redigiert sind, bitte ich um Nachsicht und gerne auch Korrekturen und Anregungen.

Word-/PDF-Dateien (+Ton-Dateien)

1-Horst-obsiegt richtig super toll /      1-Horst-obsiegt richtig super toll

2-Von Amba, Gott und dem Weltgeist /  2-Von Amba, Gott und dem Weltgeist

3 – Was ist für mich wichtig /  3 – Was ist für mich wichtig

4 – Horst und die Angst / 4 – Horst und die Angst

5 – Märchen / 5 – Märchen

 

Arbeitsblätter:

Word-/PDF-Dateien

A1-Horst-obsiegt richtig super toll / A1-Horst-obsiegt richtig super toll

 A2-Von Amba, Goitt und dem Weltgeist / A2-Von Amba, Goitt und dem Weltgeist

A3-Was für mich wichtig ist A3-Was für mich wichtig ist

A4-Angst und Furcht A4-Angst und Furcht

A5-Das Märchen von Prinzessin Horst / A5-Das Märchen von Prinzessin Horst

 

 

 

 

 

 

 

 

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Von Amba, Gott und dem Weltgeist Giordano Bruno

Also Kapitel 2 und Infos zu dem Vorhaben gibt es hier. Und zum besseren Verständnis sollte das wohl zuerst gelesen werden. Im zweiten Kapitel gibt Horst einen kleinen Einblick in sein Innenleben. Der eine sagt wohl, dass das spannend, fantasievoll und lehrreich ist, ein anderer mag entgegnen, es hier mit einem ganz schönem Klugscheißer zu tun zu haben. Ich denke beide haben recht.

 

2. Von Amba, Gott und dem Weltgeist Giordano Bruno

Aber bevor ich berühmt werde, habe ich einiges zu ertragen. Meine Mitschüler halten mich für einen Streber und meine Lehrer für ein Genie. Vermutlich haben sie sogar recht. Lieber wäre es mir allerdings, hielten meine Mitschüler mich für ein Genie und die Lehrer für einen Streber. Vor einem Genie haben alle Respekt, auch wenn es Horst heißt, und einen Streber finden alle Lehrer toll.

Normalerweise kann mir das ja egal sein, aber ich bin nun mal gefangen in einem Körper eines Horsts, der 11 Jahre alt ist. Das bedeutet, alle Menschen halten mich für einen 11jährigen Horst: Mitschüler lästern, Mamas tätscheln und Lehrer loben mich für meine Schulnoten.

Das mag für einen 11jährigen Horst natürlich Alltag und irgendwie okay sein. Schließlich mobbt mich keiner. Mobben ist was für Schulbücher und Horste. Aber ich bin ja kein wirklicher Horst, sondern bin nur gefangen im Körper eines 11jährigen Horsts.

Der Gedanke tröstet mich. Ich stelle mir dann vor, dass meine Seele ist weit gereist und schließlich in diesem Körper gelandet ist. Nur so lässt sich erklären, warum ich so anders als die Anderen bin. Das ist sogar möglich. Das hat mir Amba aus meiner Klasse gesagt. Die ist aus Indien und Hinduistin.

Hm, eigentlich ist sie aus Köln, denn da ist sie geboren. Aber sie hat so dunkle Augen und dunklere Haut. Bestimmt sind ihre Eltern mal nach Köln gezogen und deswegen sagen alle, dass sie Inderin ist.

Hinduismus ist so was wie Christ oder Moslem sein, nur sind das die Inder und es ist mit vielen Göttern. Amba war zum Beispiel vorher sogar eine Göttin, sagt sie.

Wenn das wahr ist, sage ich, war ich bestimmt ein berühmter Wissenschaftler vor vielen hundert Jahren. Dahin reise ich dann zurück in Raum, Zeit und meinen alten Körper.

Ich bin dann Giordano Bruno und lebe 1570 in einem Kloster in Neapel, wo man früher lernte, wenn man so schlau ist wie ich. Schulen gab es da ja noch nicht. Die Seelen von Yusuf und Jannis sind da noch in Ratten und Schweinen. Da stört es auch nicht, wenn ich mit Steinen drauf werfe oder nach ihnen trete. Aber das mache ich gar nicht, denn ich lese die Bücher in Latein und werde noch klüger als ich schon bin.

Mein Tag sieht dann so aus: Ich stehe morgens auf, muss dann in dem Kloster erst mal beten, dann sauber machen, Kühe melken, Ratten vertreiben und Schweine schlachten, danach wieder beten, sauber machen, wieder beten und dann endlich lernen. Und wenn mir die Augen schon zufallen, muss ich noch barmherzig sein, Arme füttern und noch mal beten. So geht das jeden Tag.

Aber eines Tages bete ich so vor mich hin und dann erscheint mir Amba anstatt der heiligen Maria. Ich bin hin und weg. Amba ist knallig bunt und guckt gar nicht immer so bedröppelt wie die heilige Maria. Außerdem reitet sie auf einem Tiger.

Das beeindruckt mich und ich kann es fortan nicht erwarten, in meine Klosterkapelle zu kommen. Dort tauschen wir uns aus, weil wir ja beide unheimlich weise sind. Amba, weil sie eine Göttin ist, und ich, weil ich so viele Bücher gelesen habe.

Nach einer Weile, fange ich dann an zu glauben, dass wir alle Teil eines großen Weltgeists sind oder werden. Bei den Hindus heißt das Brahman und wenn man alles richtig gemacht hat, wird man dazu. Also zu Gott1.

Ich schreibe das alles also heimlich auf. Heimlich, weil sowas damals ziemlich verboten war. Damals durfte man noch nicht mal sagen, dass sich die Erde um die Sonne dreht. Da wurde man bei lebendigem Leib verbrannt.

Also war ich auch noch super mutig. Schlau und mutig.

Deswegen habe ich auch die Schriften des heiligen Hieronymus ins Klo geschmissen, als ich entdeckt wurde und fliehen musste. Hieronymus war ein ziemlich wichtiger Typ für die Kirche, weswegen ich das auch ziemlich verwegen finde.

Ich floh also und reiste durch ganz Europa herum und erlebte wahnsinnig viele Abenteuer. Am Ende habe ich dann aber doch Heimweh nach Italien gekriegt und dort hat mich die Inquisition in die Finger gekriegt. Das waren bestimmt Nico und Deniz, die alten Petzen und Schleimer.

Natürlich habe ich auch unter schlimmster Folter nie geleugnet, was ich über Gott und den Weltgeist heraus fand. Amba hat mich im Kerker auch immer besucht und getröstet. Sonst hätte ich das nicht durchgehalten.

Und was ist der Dank? Die haben mich am Ende verbrannt. Und anstatt dass mein Atman , so heißt die unsterbliche Seele bei den Hindus, in den Brahman, also Weltgeist, aufgeht, werde ich in diesem Körper eines 11jährigen Horsts in diese Klasse 5b rein versetzt. Neben mir sitzt Amba, Nico und Deniz mir gegenüber und am Tische rechts boxt Jannis Yusuf in die Seite.

Vielleicht hätte ich das mit Hieronymus‘ Schriften nicht machen sollen.

Das ist trotzdem nicht fair.

Einsatz im Unterricht

Thematisch ist es im Fragenkreis 1 – Die Frage nach dem Selbst: Ich und mein Leben zuzuordnen.

Im Unterricht lassen sich idealerweise personale Kompetenzen, wie das Beschreiben eigener Stärken thematisieren. Dabei dürfen SuS auch ihre kulturellen / religiösen Wurzeln mit einfließen lassen und damit einen Beitrag zur Sachkompetenz leisten. Methodisch wird ein Gedankenexperiment eingefügt, sodass schon in einer frühen Phase kontrafaktisches Denken eingeübt werden kann, indem die sich die Schüler vorstellen können, in welche Rolle sie schlüpfen würden, könnte ihre Seele wandern. Mit dem Hinduismus wird eine nicht-monotheistische Religion eingeführt, die vielen SuS nicht bekannt ist, obwohl sie die drittstärkste Glaubensgemeinschaft ist. Und mit Giordano Bruno wird ein Wegbereiter der Aufklärung und des Humanismus namentlich (freilich im kontrafaktischem Szenario) eingeführt.

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1GottIch verwende Gott synonym mit Allah, Jahwe und all den anderen Namen der monotheistischen Religionen.
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Horst – Buch -> Plan und erstes Kapitel

Der Plan

Seitdem ich das Vergnügen habe, Praktische Philosophie zu unterrichten, begleitet mich die Idee, dass man doch vielleicht ein Buch schreiben könnte, indem sich ein oder mehrere sehr junge Helden den Themen des Kernlehrplans nähern.

Im Unterricht werden derzeit mehrere Lehrwerke von Cornelsen (Praktische Philosophie), C.C. Buechner (philopraktisch) und Schöningh (Fair Play) eingesetzt. Die sind verglichen mit dem, was ich früher als Schulbuch vorgesetzt bekam, gut gemacht und interessant. Allerdings setzen sie Lesekompetenz voraus, die die Schüler heute in der 5. Klasse nicht mitbringen.

Mir schwebt eine kleine Lektüre vor, die man auch ohne Unterricht lesen könnte, die aber auch mit entsprechender Begleitung für den Unterricht aufgearbeitet sein kann. Der Plot soll in gut verdaulichen Einheiten verpackt, durch die Fragenkreise der Praktischen Philosophie führen. Da das Ganze durchaus collagenhaft sein kann, die Geschichte offen und Platz für viele Perspektiven ist, wäre ich für Mithilfe, Ideen, Kommentare sehr dankbar. Die Fragenkreise finden sich ab Seite 20 hier.

Da ich gerne Dinge anfange, ist der Anfang recht schnell gemacht.

Einsatz im Unterricht

Thematisch ist es im Fragenkreis 1 – Die Frage nach dem Selbst: Ich und mein Leben zuzuordnen. Im Unterricht lassen sich idealerweise Akrostichen schreiben, über die Bedeutung von Namen reden / diskutieren und der eigene Name erforschen.

Darum hier mal der erste Entwurf des Horstbuches:

Die Geschichte

1. Held obsiegt richtig super toll

Ich bin Horst.

Jetzt lachst du bestimmt. Na klar! Würde ich vermutlich auch machen. Wer heißt denn schon Horst? Alte Leute heißen Horst.

Wenn Frau Hochgeschurz lustig sein will, sagt sie, ich sei ein Vollhorst.

Alle Kinder hier in Duisburg heißen Leon, Justin, Batuhan, Lucca, Finn, Jannis, Dilan, Nico, Deniz, Sofie, Ahmet, Mehmet, Joel, Sila, Carolin, Anna, Niclas, Dilara, Yusuf, Meryem oder so ähnlich. Ich weiß nicht, was all die Namen gemeinsam haben, aber ich kenne von jedem mindestens zwei oder drei. Würde Frau Hochgeschurz sagen, Marie wäre eine Vollmarie, würden alle nur gucken. Keiner würde lachen.

Horst ist aber immer voll der Lacher. Der Witz bin ich, aber ich lache nicht mit.

Fällt auch gar nicht auf, denn ich sage auch sonst nicht viel. Ich versuche, überhaupt nicht aufzufallen. Ich will nicht, dass irgendjemand meinen Namen ruft oder sagt.

Papa sagt, ich solle mir mal einen von diesen Typen vorknöpfen. Hätte er auch gemacht. Aber er heißt Kevin. Da hätten früher auch immer alle Witze drüber gemacht. Vor allem die Erwachsenen.

Mama nickt dann immer, streichelt mir über den Hinterkopf und sagt: „Mein Horstie macht sowas nicht. Der steht über den Dingen.“

Das gefällt mir. Vor allem wenn keiner zuguckt und niemand zuhört.

So einen Namen, den hat man ein Leben lang. Den kannste nicht so leicht ändern. Opa hat mal erzählt, dass das wohl so Leute machen können, die Adolf Hitler heißen täten. Weil, wer so einen schlimmen Namen hat, der kann ja trotzdem ein netter Mensch sein.

Mir ist also nicht zu helfen, obwohl ich glaube, ich bin ein netter Mensch. Einmal Horst, immer Horst.

Manchem macht das ja gar nichts aus. Frau Hochgeschurz ist ein richtiger Scheißname. Wer heißt denn so? Aber ihr macht das gar nichts aus. Die lacht immer, wenn jemand da Hochgeschmutzt oder Tiefgeschmutz oder Hochgeschürbel oder was auch immer daraus macht.

Mama sagt: „Trage den Namen mit stolz!“

Aber wie soll ich auf sowas stolz sein? Es gab da mal einen Fußballspieler. Horst Hrubesch hieß der. Den haben alle geliebt. Der spielte für den HSV, als die noch richtig Erfolg hatten. Der war sogar in der Nationalelf und hatte einen Trainer der Jupp der Wal hieß. Über Horst Hrubesch hat keiner Witze gemacht. Dafür hat der Tore gemacht und so Sachen gesagt wie: „Manni Banane, ich Kopf, Tor“.

Der Satz ist so gut, dass noch nicht mal Frau Dösen-Dorheim den Konjunktiv I davon bilden könnte. Haha, da würde sie sich die Zähne dran ausbeißen.

Aber soweit bin ich noch nicht. Ich warte auf meinen großen Tag. Entweder ich habe dann wie der berühmte Duisburger Kommissar Horst Schimanski einen Spitznamen – der hier heißt Schimmie – oder ich mache mal was ganz Besonderes. Vermutlich schreibe ich einen großen Roman, denn schreiben kann ich. Das sagen alle, alle Erwachsenen und vor allem alle Lehrer. Die lesen dann mein Buch und sagen ehrfurchtsvoll meinen Namen: Horst Timmermann-Borowski. Der große Star am Literaturhimmel. Und das Buch heißt dann:

Held

Obsiegt

Richtig

Super

Toll

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