Horst – Buch -> Plan und erstes Kapitel

Der Plan

Seitdem ich das Vergnügen habe, Praktische Philosophie zu unterrichten, begleitet mich die Idee, dass man doch vielleicht ein Buch schreiben könnte, indem sich ein oder mehrere sehr junge Helden den Themen des Kernlehrplans nähern.

Im Unterricht werden derzeit mehrere Lehrwerke von Cornelsen (Praktische Philosophie), C.C. Buechner (philopraktisch) und Schöningh (Fair Play) eingesetzt. Die sind verglichen mit dem, was ich früher als Schulbuch vorgesetzt bekam, gut gemacht und interessant. Allerdings setzen sie Lesekompetenz voraus, die die Schüler heute in der 5. Klasse nicht mitbringen.

Mir schwebt eine kleine Lektüre vor, die man auch ohne Unterricht lesen könnte, die aber auch mit entsprechender Begleitung für den Unterricht aufgearbeitet sein kann. Der Plot soll in gut verdaulichen Einheiten verpackt, durch die Fragenkreise der Praktischen Philosophie führen. Da das Ganze durchaus collagenhaft sein kann, die Geschichte offen und Platz für viele Perspektiven ist, wäre ich für Mithilfe, Ideen, Kommentare sehr dankbar. Die Fragenkreise finden sich ab Seite 20 hier.

Da ich gerne Dinge anfange, ist der Anfang recht schnell gemacht.

Einsatz im Unterricht

Thematisch ist es im Fragenkreis 1 – Die Frage nach dem Selbst: Ich und mein Leben zuzuordnen. Im Unterricht lassen sich idealerweise Akrostichen schreiben, über die Bedeutung von Namen reden / diskutieren und der eigene Name erforschen.

Darum hier mal der erste Entwurf des Horstbuches:

Die Geschichte

1. Held obsiegt richtig super toll

Ich bin Horst.

Jetzt lachst du bestimmt. Na klar! Würde ich vermutlich auch machen. Wer heißt denn schon Horst? Alte Leute heißen Horst.

Wenn Frau Hochgeschurz lustig sein will, sagt sie, ich sei ein Vollhorst.

Alle Kinder hier in Duisburg heißen Leon, Justin, Batuhan, Lucca, Finn, Jannis, Dilan, Nico, Deniz, Sofie, Ahmet, Mehmet, Joel, Sila, Carolin, Anna, Niclas, Dilara, Yusuf, Meryem oder so ähnlich. Ich weiß nicht, was all die Namen gemeinsam haben, aber ich kenne von jedem mindestens zwei oder drei. Würde Frau Hochgeschurz sagen, Marie wäre eine Vollmarie, würden alle nur gucken. Keiner würde lachen.

Horst ist aber immer voll der Lacher. Der Witz bin ich, aber ich lache nicht mit.

Fällt auch gar nicht auf, denn ich sage auch sonst nicht viel. Ich versuche, überhaupt nicht aufzufallen. Ich will nicht, dass irgendjemand meinen Namen ruft oder sagt.

Papa sagt, ich solle mir mal einen von diesen Typen vorknöpfen. Hätte er auch gemacht. Aber er heißt Kevin. Da hätten früher auch immer alle Witze drüber gemacht. Vor allem die Erwachsenen.

Mama nickt dann immer, streichelt mir über den Hinterkopf und sagt: „Mein Horstie macht sowas nicht. Der steht über den Dingen.“

Das gefällt mir. Vor allem wenn keiner zuguckt und niemand zuhört.

So einen Namen, den hat man ein Leben lang. Den kannste nicht so leicht ändern. Opa hat mal erzählt, dass das wohl so Leute machen können, die Adolf Hitler heißen täten. Weil, wer so einen schlimmen Namen hat, der kann ja trotzdem ein netter Mensch sein.

Mir ist also nicht zu helfen, obwohl ich glaube, ich bin ein netter Mensch. Einmal Horst, immer Horst.

Manchem macht das ja gar nichts aus. Frau Hochgeschurz ist ein richtiger Scheißname. Wer heißt denn so? Aber ihr macht das gar nichts aus. Die lacht immer, wenn jemand da Hochgeschmutzt oder Tiefgeschmutz oder Hochgeschürbel oder was auch immer daraus macht.

Mama sagt: „Trage den Namen mit stolz!“

Aber wie soll ich auf sowas stolz sein? Es gab da mal einen Fußballspieler. Horst Hrubesch hieß der. Den haben alle geliebt. Der spielte für den HSV, als die noch richtig Erfolg hatten. Der war sogar in der Nationalelf und hatte einen Trainer der Jupp der Wal hieß. Über Horst Hrubesch hat keiner Witze gemacht. Dafür hat der Tore gemacht und so Sachen gesagt wie: „Manni Banane, ich Kopf, Tor“.

Der Satz ist so gut, dass noch nicht mal Frau Dösen-Dorheim den Konjunktiv I davon bilden könnte. Haha, da würde sie sich die Zähne dran ausbeißen.

Aber soweit bin ich noch nicht. Ich warte auf meinen großen Tag. Entweder ich habe dann wie der berühmte Duisburger Kommissar Horst Schimanski einen Spitznamen – der hier heißt Schimmie – oder ich mache mal was ganz Besonderes. Vermutlich schreibe ich einen großen Roman, denn schreiben kann ich. Das sagen alle, alle Erwachsenen und vor allem alle Lehrer. Die lesen dann mein Buch und sagen ehrfurchtsvoll meinen Namen: Horst Timmermann-Borowski. Der große Star am Literaturhimmel. Und das Buch heißt dann:

Held

Obsiegt

Richtig

Super

Toll

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