Eisenpimmel- Viva la nix (alle 6 Seiten)

So, der Review für das neue Plastic Bomb ist jetzt fertig geworden. Und er ist so unfertig, wie nur jede Kritik am neuen Eisenpimmel-Album sein kann, denn hier handelt es sich um schlichtweg um Musikgeschichte. Daran werden sich noch viele die Zähne ausbeißen, weil hier steckt soviel Grips, Liebe und Genie drin, wie ich es noch bei kein Album Eisenpimmel-Viva la nixzuvor schreiben konnte. Und ich bin heilfroh, dass es auch ohne den – zweifelsohne vorhandenem – künstlerischen Überbau funktioniert. Ich hatte nämlich ordentlich Angst, Siggi und Bärbel könnten sich hier ordentlich verheben tun und so ein „gewollt, aber nicht gekonnt“-Album produzieren, dem man das Bemühen anerkennt, aber dem die Hits fehlen. Dem ist nicht so, denn hier wären mindestens ein dreckiges Dutzend Singleauskopplungen für die nächsten Jahre drin:

Ass im Ärmel bietet Punkrock mit Botschaft: ‚Würde ist ein Konjunktiv und das Letzte, was wir verlieren‘.

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1GottIch verwende Gott synonym mit Allah, Jahwe und all den anderen Namen der monotheistischen Religionen.
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EISENPIMMEL – Viva la nix Seite 1

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Die Spannung wächst, die neue Eisenpimmel-3er LP Box / Do CD liegt vor.

16:36 Overtüre / Theme from Nix

Eisenpimmel machen ernst: Trommelwirbel und das Girokonto spricht den Prolog. Nein, das ist nicht lustig, das kann kein lustiges Album werden. Es geht um Geld und Verteilung. Der Albumtitel „Der Untergang des monetären Wirtschaftssystems (aus Sicht eines Girokontos)“ ist nicht als Scherz gemeint.

16:46 Auf der nach Problemen

Ich bin perplex: Ein richtig wütender Opener gegen Deregulierung. ‚Kontra Entwicklung  – pro Stagnation‘: Eine Hymne gegen die Zukunft. Brilliant.

16:50 Steig in den Stoff

Eisenpimmeltypisches Gespräch vorm Kiosk. Das arme Land als traurige Pfandflaschensammlerin gegen Kapital und Großinvestor.

16:53 Hier kommt Ärger

Das arme Land rebelliert und begehrt auf.

16:55 Wat geht mit ficken?

Der notorische Defizitsünder will nicht viel. Wer findet das nicht sympathisch.

17:00 Drei Stunden große Schnauze

Große Fresse hat der notorische Defizitsünder. Man klar, er will nicht viel, aber in Zukunft gibt es da ganz leicht noch weniger.

So, die erste von sechs Seiten ist gehört. Und es ist ganz klar: Sie haben ihr vorhaben durchgezogen, eine komplette Neuausrichtung der Band damit zu wagen. Es ist ein Konzeptalbum, eine Rockoper, Punk-Musical oder was auch immer mit ganz klarer Ansage. Hier versteckt sich in jeder Äußerung Systemkritik, ohne das Eisenpimmel grundssätzlich von ihrem Stil abweichen würden. Die Sprache bleibt, die Mucke ist bombastischer… Es gibt einen deutlichen Subtext und globale Probleme der Finanzwirtschaft werden auf den kleinen Horizont der Duisburger Trinkerszene projeziert. Das ist ein ganz schwerer Spagat, den sie bis jetzt souverän hinkriegen.

Ich werde mir für den Rest deutlich mehr Zeit nehmen. Das kann man unmöglich mal eben kurz machen. Für die neue Eisenpimmel brauche ich jetzt Zeit, genau wie das bei einem FM-Einheit-Hörspiel oder einer neuen Goldene Zitronen wäre.

 

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Gebhardt, Lars: Die Reise zur grünen Fee

Die Reise zur grünen Fee.

Abel, so werden die meisten den Autor wohl nennen, hat alles, was dazu gehört, ein literarischer Held der Punkrock-Szene zu sein: er hat Szenegeschichte geschrieben (Stay Wild Fanzine), singt in einer Punkrock-Kapelle (Projekt Kotelette), ist Freund von vielen berühmten Punkrockern (Bela B.), schreibt für ein namhaftes Punk-Fanzine (Ox) und ist ein charmanter Mann (das wird von der Damenwelt kolportiert). Ferner versteht er es ziemlich gut, sich als Autor in Szene zu setzen und selbst zu verkaufen, wie er es bei seinem Romandebut ‚Ein Goldfisch in der Grube‘ bereits gezeigt hat. Das muss ihm erst einmal nachmachen, finde ich. Ich subsummiere und komme zu dem Ergebnis, dass ihm jetzt nur noch ein richtig guter Roman fehlt.

Mit ‚Die Reise zur grünen Fee‘ liegt mir nun Abels zweites Buch vor, das ich recht schnell runter lesen konnte, obwohl es immerhin 230 Seiten stark ist. Das liegt daran, dass ich dem Ich-Erzähler gerne folge, denn er verschmilzt für mich immer wieder mit dem Autor, was mich des Öfteren doch zum Schmunzeln bringt. Abel und wie er die Welt sah. Und so ganz illegitim ist das ja nicht, denn der Text weißt sicher autobiografische Züge auf. So wirken die Szenen auf einem Konzert der Band DIE GEISTER und der Aftershowparty sehr authentisch. Und Abel kann solche Geschichten auch schön erzählen, so dass ich ihm gerne folge. Und das tue ich brav vom Anfang an, denn zunächst beschließt der Held, eine Reise mit dem Zweck der Selbstfindung zu beginnen. Diese führt ihn ins Prag der 90er-Jahre, wo er erst einmal jede Menge Bier und dann auch Absinth in sich hineinschüttet. Dabei wechseln seine Trinkpartner und er lernt auch Maria kennen, in die er sich auch sofort verliebt. Sie ist sich ihrer Gefühle aber noch nicht so ganz sicher, unser Held muss also warten. Und was macht er währenddessen? Richtig: er trinkt, isst, macht Sightseeing, stolpert, schwankt, trinkt und wechselt die Kulisse nach München, wo er ein ähnliches Programm absolviert. Mal habe ich dabei das Gefühl, einen Bericht für einen Reiseblog zu lesen, wenn ich ziemlich detailliert über die Sehenswürdigkeiten von Prag informiert werde, um dann unversehens mit dem Erzähler im Vollsuff zu versacken und es so gerade noch ins Botelbett (richtig: hier handelt es sich um ein Hotel auf einem Boot) zu schaffen. Dazwischen vergeht Zeit, die immer wieder damit gefüllt wird, dass man sich schnell zur Erfrischung ein paar Flaschen Pils vom Kiosk holt. Das macht der Erzähler wirklich gerne: am Bahnhof, nach dem Museum und bei romantischen Abendspaziergang mit Maria, eine Gelegenheit, die trockene Kehle zu ölen oder die aufkommende Übelkeit zu ersticken, findet sich immer. Da habe ich dann schon das Gefühl, der junge Charles Bukowski ist hier auf einem Ausflug mit dem Konfirmandenunterricht. Erstaunlich ist es, wie geduldig ich ihm dabei folge und noch erstaunlicher, wie schnell die Zeit dabei verfliegt. Irgendwann ist der Plot vorbei, das Buch ist ausgelesen und ich frage mich, was passiert ist? Ich glaube, sowas nennt man Kurzweil.

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