State of the Art: Bildung heute

wp-1458818027082.jpegEin Jahr ist nun das Referendariat beendet und ich blicke nun insgesamt auf die ersten sechs Jahre meines neuen Lebens in der Bildung zurück.

Aus der Distanz hatte ich immer einen Plan für eine bessere Welt, der so in eine Mischung aus Sozialromantik und Revolution eingebettet war: Mehr Geld, mehr echte Demokratie, Freiheit und während des Studiums kam dann noch die Säule Bildung dazu. Aber je näher ich an die Ausführung der Pläne komme, desto mehr wandelt sich das Bild von der Utopie in eine reale Dystopie.

Als Lehrer bin ich nun Teil eines Systems, das die Bildung der Kinder gegen die Wand fährt. Das fühlt sich ungut an, wenn man ganz nah dran ist und sich ohnmächtig fühlt.

Mit Bildung sollte man schließlich alles bekämpfen können: Armut, Dummheit, Rassismus, Religion, Umweltzerstörung etc. Würden alle nur schlau genug sein, führten wir keine Facebook-Diskurse, sondern wählten eine gepflegte Debattenkultur.

Leider steht es nicht besonders gut an der Bildungsfront. Es funktioniert nicht so, wie wir uns das vorstellen. Sind die Lehrer schlecht, die Schüler dumm? Oh, Entschuldigung bitte, sind sie heute alle nicht alle krank? Sie haben ADS, ADHS, Dyskalkulie, LRS, Wahrnehmungsstörungen, Allergien und meistens sind sie auch noch hochbegabt.

Engagierte Eltern – das sind die, die sich kümmern – rennen deswegen von einer Nachhilfe zur nächsten Therapie. Diagnosen habe ich natürlich in meiner Unterrichtsplanung zu berücksichtigen. Da macht das bisschen Inklusion und Integration auch keine Probleme mehr. Dem einen Kind muss ich Bewegung ermöglichen, dem anderen dürfen keine Geräusche zugemutet werden, dem nächsten muss das Klassenzimmer reizarm gestaltet werden, die Übernächste braucht Extrahilfe, um den Stift in die Hand zu nehmen und, und, und…

Manche Eltern – das sind die, die sich nicht so kümmern – belassen es dabei und geben ihre Kinder in der Schule ab. Die Zeit wird schon rumgehen, auch ohne Diagnose und Nachhilfe. Schließlich kriegen die meisten Kinder doch immer irgendwie ihren Abschluss.  Wer einmal Aufgaben und Bewertungshorizonte von Zentralen Abschlussprüfungen gegoogelt hat, kommt aus dem Staunen nicht mehr raus. Und wenn man dann noch weiß, dass die Aufgabenformate permanent eingeübt werden, weil die Fähigkeit fehlt, andere als immer dieselben zu verstehen, begreift auch, warum lauter als früher gefeiert wird. Schließlich wird alles wieder gut gePISAt und jedes Scheitern kriegt man empirisch in Erfolg verdreht.

Das muss ja auch so sein, denn sonst müsste Bildungspolitik und Lehrerausbildung ja als gescheitert angesehen werden. Macht aber niemand. Stattdessen wird ein Unfug nach dem anderen als Bildungsinnovation abgefeiert. Jede ganzheitliche Sau wird planlos durch die Bildungslandschaft getrieben. Lehrer sollen bitteschön nur noch Lerncoach sein: Bloß nicht zu präsent sein, die Kinder alleine machen lassen – das ist schließlich viel nachhaltiger als das bloße Hineintrichtern von Faktenwissen im Frontalunterricht –, bei Problemen helfen, unterstützen und erklären sich die Kinder alles untereinander. Ihren Lernprozess lernen sie von selbst zu überwachen. Das klappt wunderbar und ich spüre regelrecht, wie hier eine ganz neue Generation heranwächst. Die können nachher immer toll reflektieren und evaluieren.

Die Kinder lernen in vielen Grundschulen nach dem Motto ‚Schreip widu schprichst‘, damit die kleinen Racker nicht die Schreiblust verlieren, weil es ja die Motivation zerstört, wenn die Kleinen gesagt bekommen, dass man das auch richtig schreiben kann – es ist ja schon anstrengend genug, einen Stift in der Hand zu halten –. Schreiben, so die Grundannahme – kein Witz –, erarbeiten sich die Kinder dann alleine. So können Motivation und Spaß im Vordergrund stehen. Spaß macht die Schule trotzdem nicht und kein offener Unterricht macht so viel Spaß wie das Smartphone, mit dem die Kinder schon früh ihre Art von Erfolgserlebnissen produzieren. Damit kann das hilflose Gekritzel, das sie in der Schule produzieren, nie konkurrieren. Aber mit ihren ganzen scheiß Medien sind die Blagen ja schön beschäftigt und man muss nicht mehr mit ihnen sprechen, ihnen Grenzen aufzeigen, ihnen Freiraum geben, ihnen helfen oder einen Tritt in den Arsch geben. Dafür werden die kleinen Prinzen und Prinzessinnen dann andernorts gepampert. Ersatzhandlungen, wie die Kinder überall mit dem Auto hinfahren oder überdimensionierte Geburtstagspartys veranstalten, sind Zeichen ihrer Fürsorge. Folge davon: Die kleinen überdrehten Patienten können in der realen Welt gar nichts. Und aus dieser Lebenswelt soll sich in der Schule etwas entwickeln. Könnte klappen, funktioniert auch zum Teil auf den Gymnasien, weil dort kräftig zu Hause nachgearbeitet wird. Zuhause – nach der Schule – findet heute Bildung statt. Noch nie wurde so viel Nachhilfe in Anspruch genommen wie heute. Schule hat schon lange aufgegeben, Wissen zu vermitteln. In den 90ern wurde dafür der Euphemismus Outputorientierung herangezogen. Kompetenzorientierte Lehrpläne und gemeinsame Bildungsstandards der Länder waren das Resultat. Liebe Eltern unter euch, lest euch bitte mal so einen Kernlehrplan eines Faches in eurem Bundesland durch – könnt ihr googeln –, ihr werdet staunen, was eure Kinder so alles können und wissen, wenn sie die Schule verlassen. Nur nicht wundern, wenn ihr davon noch nichts bemerkt habt, selbst wenn das Kind noch ganz gut vom Notenbild aussieht. Nicht nur bei euch klafft eine gewaltige Lücke zwischen Anspruch und Realität, gerade wenn euer Kind auf so einer Resteschulform Schule des gemeinsamen Lernens2 wie Sekundar- und Gesamtschule gelandet ist. Dort ist Scheitern nämlich kategorisch verboten, denn das ist der Ort des gemeinsamen Lernens: Hier werden alle Unterschiede nivelliert und Heterogenität auf allen Ebenen ist das große Plus. Die Schwachen profitieren von den Starken und die Starken verstehen besser, weil sie den Schwachen helfen. Dabei spielt Unterschiedlichkeit aus sozialer, personaler und ethnischer Sicht heraus nur eine bereichernde Rolle. So die Theorie, die von den Elfenbeintürmen über das Land gestreut wird. Ich musste das alles während meiner Ausbildung schön aufsaugen und in Prüfungen wiedergeben: ideologisch aufgeladener reformpädagogischer Wahnsinn. Irgendwie ließ sich alles unter Laborbedingungen als wirkungsvoll verkaufen. Jede Form hiergegen aufzubegehren wurde abgestraft und war ein Spiel mit dem Feuer. Meine Ausbruchsversuche kann ich noch in Jahren an Einzelnoten erkennen, die dann nicht sehr gut waren, wenn sie nicht der Leer Lehrmeinung entsprachen. Die Deutungshoheit lässt man sich dort ungern nehmen.

Horden von gehirngewaschenen Junglehrern sind die Folge, die kaum ein alltagstaugliches Handlungswissen haben und sich im von Ansprüchen überfrachtetem Alltag über Wasser halten. Dafür stellen die Schulbuchverlage die Rettungsboote gefüllt mit differenziertem Material zur Verfügung.  Das können die Schüler dann im offenen Unterricht je nach Lust und Laune abfrühstücken individuellem Forder- und Förderbedarf sowie Lerntempo bearbeiten. So ähnlich stellt sich der Hobbypädagoge Richard David Precht bestimmt die schöne neue Lernkultur vor.

Aber ich werde ungerecht, denn dagegen kann man nicht anstinken. Dem ganzheitlichen und gemeinsamen Lernen ist ja noch der moralische Geschmack des Guten beigemischt. Wer wünschte sich nicht, eine Jugend heranzuziehen, die eine offene und tolerante Wertegemeinschaft lebt, in der jeder nach seiner Fasson gleiche Chancen hat, glücklich und selbstbestimmt zu leben? Und da ist es doch gemein, wenn es in der Schule so funktionieren müsste, wie im normalen Leben: so mit Anstrengung und Leidenschaft. Oder man stelle sich vor, es würden – o Gott, welch Frevel – homogenere Lerngruppen geschaffen werden, so dass dort auch – jetzt kommt es noch schlimmer – kognitive Lernziele angestrebt werden können.

Leider schafft ein künstlich beschaffener Raum, der Chancengleichheit begünstigen soll, genau das Gegenteil. Die Unterschiede werden immer größer: Ein Kind mit Hauptschul- oder Realschulabschluss wird heute in die Welt entlassen, ohne adäquat lesen, rechnen, schreiben zu können. Es hat nie die Erfahrung gemacht, dass es etwas leisten kann, dass es scheitern kann, wieder aufstehen, sich schütteln und neu anrennen. Es hat oft überhaupt kein belastbares Wissen und ist empfänglich für jede Art von Indoktrination und Beeinflussung. Es kann den abrupten Wechsel, auf einmal hilflos selbst auf die Anforderungen des Lebens reagieren zu müssen, gar nicht realisieren. Und obwohl Wissen heute wirklich frei verfügbar ist, kann es nicht darauf zugreifen und es nutzen. Diese Generationen von Bildungsverlierern werden die Heerschaaren von Billiglohnsklaven, Unzufriedenen und Perspektivlosen sein, die dereinst den Bodensatz der Gesellschaft bilden, weil sie später leider nicht der Ausgewogenheit halber in die ChefInnenetagen inkludiert werden.

 

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1GottIch verwende Gott synonym mit Allah, Jahwe und all den anderen Namen der monotheistischen Religionen.
2Schule des gemeinsamen LernensMetaphysischer Ort mit physischer Seinsweise.
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Das Horst-Buch – Die ersten Kapitel (zum Fragenkreis 1-komplett)

Alle Text- und Mediendateien zum ersten Kapitel finden sich am Ende des Textes.

 

Gerade frisch im Unterricht erprobt, habe ich nun den Einstieg in die Horst-Geschichten fertig geschrieben. Im Gegensatz zu den ersten Geschichten von Horst, die im Zuge meiner Vorbereitung des Unterrichts im Referendariat geschrieben wurden und dadurch im Einsatz streng an die Vorgaben der Ausbildung im Studienseminar gekoppelt waren, also mehr praktisch als Philosophie, habe ich dieses Mal mehr Augenmerk auf den tatsächlichen Einsatz in den Jahrgangsstufen 5 und 6 gelegt und entsprechende Arbeitsvorschläge für den Unterricht  in Form von Arbeitsblättern erstellt, die zum differenzierten Einsatz im Unterricht anregen sollen.

Wichtig waren mir hier Anregungen aus dem Doktorandenkolloquium Philosophie unter Federführung von Dr. Vanessa Albus an der Uni Duisburg Essen. Im Gegensatz zu meiner schulpraktischen Ausbildung wurde hier festgestellt, dass meine bisherige Arbeit etwas schwammig in Bezug auf die philosophische Erdung sei.

So habe ich in den Arbeitsvorschlägen zunächst immer sehr praktische Bezüge zum Text und zur Lebenswelt hergestellt, um dann einen Bezug zur Philosophie herzustellen. Es sei erwähnt, dass man das Arbeitsmaterial bitte nicht derart verstehen sollte, dass es streng chronologisch eingesetzt werden sollte. Ich habe es im Unterricht in verschiedenen Lerngruppen völlig unterschiedlich strukturiert. Auch ist die Geschichte nicht immer als Einstieg gewählt worden, um hier einer Monotonie Vorschub zu leisten. Oft ist es darüber hinaus einfach sinnvoller, zunächst Vorerfahrungen der Schüler aufzunehmen. Immer habe ich allerdings die Geschichten nach dem Lüneburger Lautleseverfahren mit MP3 und Text gelesen, um hier einen Beitrag zur Leseförderung zu leisten.

Das Material kann gerne frei genutzt werden und für unterrichtliche Zwecke angewandt werden. Da die Texte aber nicht redigiert sind, bitte ich um Nachsicht und gerne auch Korrekturen und Anregungen.

Word-/PDF-Dateien (+Ton-Dateien)

1-Horst-obsiegt richtig super toll /      1-Horst-obsiegt richtig super toll

2-Von Amba, Gott und dem Weltgeist /  2-Von Amba, Gott und dem Weltgeist

3 – Was ist für mich wichtig /  3 – Was ist für mich wichtig

4 – Horst und die Angst / 4 – Horst und die Angst

5 – Märchen / 5 – Märchen

 

Arbeitsblätter:

Word-/PDF-Dateien

A1-Horst-obsiegt richtig super toll / A1-Horst-obsiegt richtig super toll

 A2-Von Amba, Goitt und dem Weltgeist / A2-Von Amba, Goitt und dem Weltgeist

A3-Was für mich wichtig ist A3-Was für mich wichtig ist

A4-Angst und Furcht A4-Angst und Furcht

A5-Das Märchen von Prinzessin Horst / A5-Das Märchen von Prinzessin Horst

 

 

 

 

 

 

 

 

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Anschlussverwendung gefunden: Abschied vom #Kaiserplatz und Willkommen in #Neukirchen-Vluyn

Aufregende Zeiten sind das für mich.Ich bin bei der Neugründung der Gesamtschule Neukirchen Vluyn ab August dabei.

Die Gesamtschule Kaiserplatz ist nun für nur noch zwei Wochen mein beruflicher Lebensmittelpunkt und das Abschiednehmen erinnert mich an die Erzählungen von Fürst Myschkin, in der Dostojewski die selbst erlebte Scheinhinrichtung verarbeitet. Jeden Tag tröste ich mich damit, dass ich ja am nächsten Morgen noch einmal kommen werden und dieses oder jenes Gesicht doch noch einmal sehe. Aber am Dienstag war es die letzte Lehrerkonferenz, nächste Woche die letzte Zeugniskonferenz und dann irgendwann die letzte Vertretungsstunde oder Pausenaufsicht gewesen sein. Und dann werde ich mich trösten und denken, dass da ja noch eine Stunde Deutsch oder Praktische Philosophie kommt. Die sind dann auch vorbei und ich werde noch einmal über den Schulhof gehen, noch einmal in die Lehrerzimmer, hier noch eine Umarmung und doch jemanden vergessen haben. Ein letztes Wort, dann auf den Parkplatz oder zum Fahrrad, noch mal umgedreht, gewunken und dann sogar gewinkt.

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Auf der Suche nach Anschlussverwendung

Nachdem es lange Zeit so aussah, als ob ich an der Schule, an der ich mein Referendariat machte, bleiben dürfte, konnte dort keine Stelle für das neue Schuljahr ausgeschrieben werden.
Das ist insofern schade, als dass ich Schüler und Kollegium ziemlich ins Herz geschlossen hatte und inoffiziell schon Planungen begannen, mit wem ich denn welche Klasse im nächsten Schuljahr übernehmen würde. Im Laufe der Ausbildung konnte ich die Schule natürlich gut kennen lernen, so dass mir ziemlich deutlich vor Augen stand, welche Möglichkeiten ich hätte und welche Anforderungen ich dazu zu erfüllen hätte. Alles Gedanken, die nun verpuffen. Jemand anderes wird sich nun auf die Schnelle in eine neue Schule einfinden müssen, denn andere Lehrer sind dorthin versetzt worden.
Ich kann nicht sagen, ob diese Lehrer gut oder schlecht sind. Vermutlich ersteres, denn ich habe auf den drei Schulen vorher auch überwiegend fähige Kollegen erlebt. Trotzdem befremdet mich ein Gefühl von Austauschbarkeit in diesem System Schule. Ein System in dem der Einzelne vor Ort alles gibt, die Schulleitung aber oft in Personalentscheidungen von pragmatischen Zwängen geleitet wird. So bleibt es dabei, das ich verdammt gut in das System Schule, in dem ich tätig war, gepasst hätte und alle Beteiligten bestens bedient gewesen wären.

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Das Horstbuch und du

Nun sind endlich alle Teile des Horstbuches für das Thema Wahrhaftigkeit und Lüge (Fragenkreis 3) veröffentlicht. Von fertig möchte ich nicht sprechen, denn es handelt sich um Entwürfe, die zwar praxiserprobt und von den Schülern sehr positiv angenommen wurden, aber sicher nicht fehlerfrei oder optimierungsbedürftig sind. Gerne mag sich der geneigte Leser / Lehrer daran bedienen, um die Vorabeiten für die 5. Klasse zu nutzen oder sie für andere Zwecke auseinanderzunehmen.

Ich würde mich aber freuen, wenn ich etwas Feedback bekommen würde. Wenn ihr die Materialien im Unterricht einsetzt, möchte ich natürlich wissen, wie eure Schüler damit klar kommen. Vielleicht gibt es auch konkrete Verbesserungsvorschläge oder Ideen für andere Umsetzungen im Unterricht. Ich bin neugierig auf alles. Auch wenn die Resonanz nur in derartiger Form ist, dass ich die sicher vorhandenen Tippfehler benannt bekomme, damit ich diese für künftige Einsätze ausbügele.

Die komplette Übersicht:

Teil 1: Mimikry und Mimese

Teil 2:Der Verdacht: Wer war der Täter?

Teil 3: Das Horst-Dilemma

Teil 4: Nico, Horst und die Fee (Text:PinNico, MP3: Nico, Pinocchio und die Fee)

Der Blog-Eintrag und der dazugehörige UPP-Entwurf inklusive der langfristigen Reihenplanung finden sich hier.

Teil 5: Das Horstfinale

 

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Das Horst – Finale

Alles braucht ein Ende. Und dieses Finale gehört Horst, der den Handlungsbogen rundet und gleichzeitig viele Deutungsmöglichkeiten für moralische Wertungen lässt.

Ich selbst habe das Finale als Anlass genommen, die Themenreihe noch einmal zu reflektieren, die Themen ‚Lügenverbot‘, ‚Notlüge‘ und ‚Handlungsfolgen‘ noch mal anhand des Plots nachzuzeichnen, um eventuelle Handlungsalternativen für die Beteiligten zu eruieren.

Hier ist die Text – Version als PDF: Horst – Das Finale

Und hier die Audiodatei: Horst – Das Finale

Viel Spaß damit.

 

 

 

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Nico, Pinocchio und die Fee

Eine kurze Zusammenfassung vereinfacht mittlerweile den Zugang zum Geschehen:

Alle Beteiligten gehen in eine 5. Klasse einer weiterführenden Schule. Vor der Klasse kam es zu folgendem Vorfall: Horst schmiert seiner Schulkameradin Amba ein Kaugummi in die Haare, weil sie seine Zuneigung nicht teilt. Sie merkt dies erst später, sodass es nicht gelingt, das Kaugummi sauber aus ihren Haaren zu entfernen.

Die Klassenlehrerin Frau Hochgeschurz verdächtigt zwei Mitschüler, die am Tisch mit Amba und Horst sitzen. Horst gerät nicht in Verdacht, weil er ein nur positiv auffälliger Schüler mit überragenden Noten ist.

Nico ist einer der Verdächtigen und gilt als Klassenrüpel, dem man alles zutraut. Der andere Verdächtige ist Jannis, der gerne zu den „bösen Jungs“ gehören würde, aber von denen nicht akzeptiert wird, weil er als Klatschmaul gilt.

Beide Schüler verhalten sich im Gespräch mit Frau Hochgeschurz durchaus verdächtig und zeigen dies in beobachtbaren Reaktionen wie Vermeidung des Blickkontakts und Unsicherheit. Nico erscheint aber als wahrscheinlichster Tatverdächtiger und Lügner.

Für die Leser stellt sich heraus, dass Nico zwar lügt, aber nicht der Täter war. Er kennt den Täter Horst, ist aber von diesem bedroht worden, ihn nicht zu verraten. Da es Horst kurz zuvor gelungen ist, den anderen Klassenschreck mit dubiosen Methoden so zu verängstigen, dass dieser vor Angst der Schule fern bleibt, nimmt Nico diese Drohung ernst.

Nico möchte trotzdem nicht als Feigling und Petze gelten und verrennt sich in ein Lügengewirr, indem er einen noch völlig unbeteiligten Schüler aus der Nachbarklasse mit hinein zieht.

Zu Beginn des Kapitels zeigt sich Nico mitgenommen von dem Dilemma, dass er, wenn er nicht die Wahrheit sagt, wohl weiter Hauptverdächtiger bleibt. Im Fall der Wahrheit verliert er seinen „guten“ Ruf in der Klasse und möglicherweise glaubt ihm auch niemand, dass man Horst keine bösen Taten zutraut.

Teil 1: Mimikry und Mimese

Teil 2:Der Verdacht: Wer war der Täter?

Teil 3: Das Horst-Dilemma

Teil 4: Nico, Horst und die Fee (Text:PinNico, MP3: Nico, Pinocchio und die Fee)

Didaktisches auf der nächsten Seite.

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Das Horst Dilemma

Und die Abenteuer aus unserer Klassen gehen weiter. Nachdem wir darüber spekuliert haben, wie ob jetzt nun Jannis oder Nico, oder keiner von beiden, der armen Amba Kaugummi in die Haare schmierten, gibt es nun die Auflösung des Rätsels.

Allerdings verbunden mit einem weiteren Dilemma. In dem findet sich nun Nico wieder.

Für die SuS geht es darum, nachzuvollziehen, woraus Nicos Dilemma besteht und mögliche Handlungsoptionen für ihn durchzuspielen. Wichtig ist es natürlich auch, noch einmal zu klären, dass man unmöglich körperliche Veränderungen von einem Menschen eindeutig mit Lügen in Verbindung bringen kann. Sie sind einzig und alleine ein Symptom für Nervösität.

Teil 1: Mimikry und Mimese

Teil 2:Der Verdacht: Wer war der Täter?

Teil 3: Das Horst-Dilemma als pdf: dasHorstdilemma

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Pinocchios Abenteuer (Hördatei)

Es gibt Geschichten, die kann man auch wenn sie von 1883 sind, problemlos im PP-Unterricht der 5. Klasse einsetzen: Pinocchios Abenteuer von Carlo Collodoli ist so eine idealtypische Besetzung für den Fragenkreis 3 und den Themenbereich Wahrhaftigkeit und Lüge: Pinocchio lügt zunächst aus der Not heraus und verstrickt sich dann in ein Lügengestrick. Kant hätte seine Freude daran gehabt, denn die Geschichte liefert auch denen eine Begründung, denen die Selbstverpflichtung des Menschen zur Wahrheit etwas suspekt erscheint.

Im Unterricht werden die Schüler das vermutlich aber differenzierter sehen. Ich selbst, setze es ein, um von äußerlich sichtbaren Merkmalen des Lügens (Siehe Horstbuch) die Brücke zur langen Nase von Pinnochio zu bauen und erstmals in die ethisch moralische Bewertung von Lügen einzutauchen.

Die Fee ist da sehr klar, denn sie hält das Lügen für die hässlichste Angewohnheit, die ein Kind haben kann. Damit ist sie klar bei Kant, der das Lügen für einen unvernünftigen menschlichen Makel hält. Am Beispiel von Pinocchio lässt sich diese ‚Unvernunft‘ für Kinder nachvollziehen.

Ich selber halt aber eine erste Wertung von Pinocchios Lügen für ebenso wichtig, die die Schüler hier vornehmen sollten.

Die Hördatei ist hier zum Download: Pinocchios Abenteuer

Und ich nutze den Text (Seite 62 – 63) aus Philopraktisch 1.

 

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Der Verdacht: Wer war der Täter?

Es geht weiter mit dem Thema “Wahrhaftigkeit und Lüge” (Fragenkreis 3). Nachdem die Schüler mit Amba mitgelitten haben und auch nach der Lektüre die Begriffe Mimese und Mimikry durchaus auch auf ihr eigenes Leben anwenden konnten, geht es jetzt direkt mit der armen Amba weiter. Diesmal wird ihr ein übler Streich gespielt und ihre Tischnachbarn Nico und Jannis geraten in Verdacht, Täter gewesen zu sein.

Für die Schüler heißt es nun, Detektiv zu spielen und das Verhör der Klassenlehrerin mitzulesen, um danach das Verhalten der beiden Schüler zu Vergleichen. Kann man also den Lügner an seinem Verhalten erkennen?

 

Dazu gibt es hier die Tondatei:

 

Und hier ein pdf mit Arbeitsauftrag: Der Verdacht- Sichtbares Luegen

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