Wieder Swen Bock sein und Facebook

Karacho-Swen-Screenshot

Falsch geschrieben. War auch sonst ein dämlicher Auftritt von Swen Bock.

Zwei Ereignisse fallen derzeit zusammen: erstens habe ich für die nächste Ausgabe des Plastic Bombs wieder ein paar Reviews und ein Vorwort geschrieben und zweitens wieder einen Facebook-Account. Wie kommt es dazu, war doch beides von mir ausgeschlossen? Explizit im Falle Facebook (siehe hier) und wie es genau beim Plastic Bomb war, habe ich verdrängt.
Aber seit geraumer Zeit kokettiere ich wieder damit, eine Reunion meiner Existenz als Swen Bock ins Auge zu fassen. Zur Erklärung muss ich etwas ausholen:

Swen Bock war ja auch mein bürgerlicher Name zur Gründungszeit des Plastic Bombs 1993 und er entwickelte sich immer mehr zum Alter Ego, während ich selbst spätestens mit meiner Heirat und der Geburt meiner Kinder sehr viel bürgerlicher wurde.

Dies löste einen Erosionsprozess aus, in dem mein Ego und Alter Ego immer leerer wurden.  So entschied ich mich stattdessen Lehrer zu werden und beendete diesen Zwiespalt. Die letzten fünf Jahre habe ich dann mit Bildung im klassischen Sinn verbracht, schließlich hatte ich einigen Nachholbedarf. Das Abiturzeugnis von 1989 hatte nicht nur Schimmelflecken, sondern erfüllte auch alle Ausschlusskriterien vom Hochschulstudium. Aber Wartesemester hatte ich genug.

Das Germanistik- und Philosophiestudium empfand ich dann als zutiefst bereichernd, genau wie die positive Erfahrung einen Lernprozess zielstrebig gestalten zu können. Dabei haben sich die Kontinentalplatten meiner Werte und Bezüge noch mal kräftig verschoben.

Dieser Prozess ist noch lange nicht abgeschlossen. Es fehlt mir zum Beispiel die Erfahrung, das Ganze zu bündeln, in Form eines Buches oder einer anderen Veröffentlichung zu vollenden. Und leider fehlt die Zeit, die ganzen Gedanken ordentlich zu strukturieren. Das meiste davon bleibt fragmentarisch und zu vage.

Die Unzufriedenheit mit diesem Zustand kann sicher jeder nachvollziehen, dem der horror vacui kein leerer Begriff ist.

Vielleicht, dachte ich, liegt es daran, dass ich bisher in meinem Leben immer radikale Brüche vollzogen habe, von der Bank zum Punk und nun zur Schulbank. Dabei habe ich immer eine gewisse Unversöhnlichkeit mit dem Vergangenen an den Tag gelegt. Und diesen Zustand möchte ich beenden. Swen Bock – wenn auch zum Teil Alter Ego – ist ein Teil von mir, der sicher vieles falsch machte, aber er ist meinungsfreudiger und mutiger gewesen. Und das schrieb er.

Und genau das Schreiben ist es, was mir fehlt. Zwar schreibe ich fleißig an meinen Horst-Geschichten für den PP-Unterricht und glaube auch, dass das mal ein feines Buch wird, aber ich brauch auch wieder eine Zielgruppe, die erwachsener ist und in der ich mich selbst wohl fühle: Menschen, die in ihrer Widersprüchlichkeit alt und älter werden. Und beim Plastic Bomb war man so nett, mich wieder zu lassen.

Danke dafür. Aber ich wäre ja nicht ehrlich, wenn ich nicht erwähnen würde, dass ich lieber nicht so oft und so viel trinken will, um auch live das Bad in der Menge eines Konzertes zu genießen. Nein, mir reicht es oft genug, die wohlige Illusion von Zwischenmenschlichkeit zu genießen, weswegen Facebook natürlich ein tolles Medium ist, das sich in den letzten zwei Tagen schon richtig bewährt hat.

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