Das neue Plastic Bomb (Nummer 91) – Review Teil 2

wpid-2015-05-30-09.48.52.jpg.jpegUnd die Lektüre des Heftes dauert dank kleiner Schrift gegen den ox’schen Zeitgeist etwas länger.

Offenbar ist mit Andi ein Fan erster Stunde mit der großen Anti-Flag-Aufmacher-Story betraut. Das ist insofern interessant, dass er sein Fansein nicht hinterm Berg hält, sondern es seinen Blick auf den Promozirkus sicher erdet. Ich gehe davon aus, dass es sonst schwer gewesen wäre, das Ganze überhaupt zu ertragen. Für mich als Leser erschließt sich aber – mit der Distanz nicht mehr selber Promokampagnenmedium sein zu müssen – die Notwendigkeit auch oder gerade als politische Band so zu missionieren. Auf jeden Fall bietet diese Reportage einen ziemlich plastischen Einblick in das Geschehen. Dagegen wirkt das Interview mit Social Distortion sehr blutleer. Routiniert beantwortet Jonny all die durchaus auch kritischen Fragen und lässt lässig auch kritische Fragen abprallen. Ähnlich ergeht es Ronja und Philipp mit Heinz Strunk: Und Ronja macht im Nachwort aus ihrer Enttäuschung über die fehlende Beziehung zum Künstler keinen Hehl. Dafür ist das Teil aber sehr informativ und gewährt einen ziemlich interessanten Einblick in die Denke des jungen Mannes. Gleiches gilt für sein US-amerikanisches Dependant Henry Rollins, der mit seinem Lebensmotto ‘Ich, ich und ich’ seinem atavistischen Bewegungsdrang auf allen Ebenen fröhnt. Dr. Ring Ding, dessen Ego ich mir nie groß kleiner vorstellte, kommt dagegen richtig geerdet und sympathisch rüber.

Ziemlich berührende Einblicke in die Denke vom Neurotic Arseholes-Sänger Dirk bietet dann das Interview zur Rerelease der “… bis zum bitteren Ende”-LP. Da gelingt dem Micha doch ein Zugang zu dem nonkonformen älteren Herren. Dabei ist es weniger interessant, was der sagt, sondern die Art wie er es sagt. Ich kann mir jetzt gut vorstellen, wie es zu dem Bandnamen kam.

Das Kids-Interview hingegen ist dagegen eher so ein Ausblender. Da hatte ich ja maximal eine Seite vermutet. Hm, vielleicht hätte es auch auf eine Seite reduziert werden sollen. Man muss ja nicht jede Antwort auf jede Frage abdrucken, nur weil sie gegeben wurde. Ähnlich verhält es sich mit dem Kick It! Interview, wobei das wenigstens lustig ist. Stärkster Satz: “Vielleicht weil Deutschrap [sic] der Oi-Punk [sic] 2015 ist.”.

Adam Angst hat ja einen einen tollen Namen. Allerdings hätte ich bei den Referenzen Escapado und Frau Potz wohl kaum Interesse gehabt, mir das zu geben. Das Interview bringt aber genau die Menge an Infos, die es braucht, um mich neugierig zu machen. Brilliantes Zeug auf jeden Fall, was der junge Herr da so fabriziert. Genau die Dosis gegen Langeweile, die ich gelegentlich brauche. Ins selbe Horn bläst der Wahre Heino, dessen Interview etwas Zeitgeschichte lebendig werden lässt und mich seine Coverversionen von Slime und Ton Steine Scherben kaufen ließ: Absolut vergnügliches Verhältnisse-wieder-gerade-rücken. Macht Vasco mit seiner Kolumne gewissermaßen auch; ich frage mich da immer, ob Gernot Hassknecht auch auf die Staatliche Vasco-Akademie für Trolle und GegenPropaganda gegangen ist?

Dann doch schnell die Suurbiers-Story lesen. Die haben mich eigentlich immer völlig kalt gelassen, was ich dann angesichts der Geschichte ein wenig bereue.

Damit habe ich musikalisch gesehen erst einmal genug gehört und ich springe in Bastis letzte Heimstätte. Die Geschichten aus der Gruft sprengen gewohnt souverän der Genregrenzen und lassen mir mit H.P. Lovecraft einen nicht ganz so wohligen Schauer über den Rücken laufen. Ich muss zugeben, dass ich ihn bisher natürlich dem Namen nach kannte und ihn als Horror-Autor hätte zuordnen können, der B-Movies, Trash und Rockmusik bereicherte, aber tatsächlich noch nie ein Wort von ihm gelesen habe. Jetzt ist er auf immer und ewig als Rassist in meinem Gehirn gebranntmarkt. Die schiere Masse an Zitaten aus Werk und Briefen, die hier angeführt werden, lassen sich nicht so einfach wegwischen. Trotzdem weckt sowas in mir natürlich auch immer die Neugier. Und erste Recherchen im Netz führen auch zu einem ersten Bild, dass es sich bei H.P. Lovecraft wohl um einen psychisch anders gepoltem Mann handelte, der zeitlebens unter Armut und Hunger litt, kaum Anerkennung genoss und so Realität, Wahnsinn, kruden Zeitgeist – Hitlers Denken beherrschte das Denken vieler Angry White Men dieser Tage – vermischte. Solche Zutaten finden sich ja bekanntermaßen häufig in Genialität oder dem was dafür gehalten wird. Die eine Frage ist natürlich, die des Umgangs damit und ob sich ein Werk einfach so in Autobahnen und Holocaust teilen lässt?  Und wenn dem so ist, daran anschließend, was das über die große posthume Wertschätzung von H.P. Lovecrafts Horrorgeschichten sagt?

Zum Schluss gönne ich mir noch vom Genossen Atakeks seine kleine ‘Kennen alle – Kennt keine Sau!’ – Kolumne. Geht dieses mal um die – jetzt endgültig beginnende? – Selbstdemontage von Fat Mike, die er mit ‘Home Street Home‘ betreibt. Bah!!! Musicals sind schlimm! Und am schlimmsten sind sie, wenn sie sich dessen nicht bewusst sind. So sind Atas Worte ein willkommener Regen in der Wüste des Stumpfsinns. Seine Gegendosis von den Brokedowns ist da ein willkommenes Anästhetikum.

Und damit schließe ich. Ungelesenes bleibt für die Wartezeit bis zum August.

Review Teil 1

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